Förderorganisationen spielen im Wissenschaftsbetrieb eine zentrale Rolle. Eine exzellente Forschung ist ohne die vielfältige Unterstützung durch verschiedenste Förderorganisationen kaum möglich. Gleichzeitig üben sie durch ihre Verfahren der Mittelzuweisung und der Evaluation von Forschungsleistungen Einfluss insbesondere auf die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse aus.

Förder- und Wissenschaftsorganisationen bekennen sich zunehmend zum Ziel des freien Zugangs zu den Ergebnissen öffentlich geförderter Forschung. Dabei ist die Erhöhung der nationalen und internationalen Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und damit die Stärkung des jeweiligen Wissenschaftsstandorts auch im internationalen Wettbewerb ein wichtiges Motiv. Auch wenn interdisziplinäre Forschungen und internationale Kooperationen gefördert werden sollen, ist Open Access zentral, da in Zeiten enger Budgets oftmals die Mittel fehlen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Zugang zu Publikationen auch anderer Fächer zu ermöglichen. Dass die finanziellen Mittel zur Anschaffung aller möglicherweise forschungsrelevanten Ressourcen nicht mehr ausreichen, gilt längst nicht mehr nur für Schwellen- und Entwicklungsländer. Open Access publizierte Forschungsergebnisse sind optimal nachnutzbar. Open Access fördert die Transparenz von Forschungsergebnissen und erleichtert die wissenschaftliche Qualitätssicherung.

Nicht zuletzt geht es aus der Perspektive von Wissenschaftsorganisationen und öffentlichen Förderorganisationen darum, mit dem freien Zugang zu wissenschaftlicher Information einen Gegenwert zur öffentlichen Förderung von Forschung zu schaffen und eine Situation herbeizuführen, in der Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Geldern zustande kommen, möglichst auch öffentlich zugänglich sind und damit zum Nutzen aller zur Verfügung stehen. Von der Möglichkeit, Förderempfängerinnen und -empfänger dazu zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verfügung zu stellen, machen zum Beispiel die EU oder die zur cOAlition S zusammengeschlossenen Förderer Gebrauch.

Für Förderorganisationen geht es letztendlich darum, den Nutzen der mit ihren Mitteln geförderten Forschung zu maximieren; Open Access maximiert die Reichweite der Forschungsergebnisse und trägt deshalb zu diesem Ziel bei. Förderorganisationen - öffentliche wie private - sollten deshalb Open Access klar einfordern und zum Teil ihrer Fördervereinbarungen machen.

Viele Förderorganisationen haben eine Open-Access-Policy veröffentlicht, mit der sie sich jeweils klar positionieren und auf die sie ihre weitere Förderstrategie abstimmen. In der Policy ist in der Regel geklärt, welche konkreten Fördermaßnahmen und -schwerpunkte sich aus der Positionierung zu Open Access jeweils ergeben und unter welchen Bedingungen eine Förderung erfolgt.

Eine ganze Reihe von Förderorganisationen, darunter die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF), haben die Berliner Erklärung unterzeichnet. Auf europäischer Ebene haben sich die European Heads of Research Councils (EUROHORCs) und die European Science Foundation (ESF) in ihrer Vision eines europäischen Forschungsraums zum Ziel des freien Zugangs zu Ergebnissen aus öffentlich geförderter Forschung bekannt und einen Katalog von Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels vorgelegt. Weitere Informationen über die Open-Access-Policies von Förderorganisationen in Europa bietet die SHERPA-JULIET-Datenbank. Eine strategische Abstimmung der Unterstützung von Open Access mit anderen Förder- und Wissenschaftsorganisationen hat beispielsweise die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen mit der Schwerpunktinitiative "Digitale Information" vorgenommen.

Neben der wissenschafts- und förderpolitischen Positionierung können Förderorganisationen zur Unterstützung von Open Access vor allem auf folgenden Feldern Aktivitäten entwickeln:

  • Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
  • Publikationskosten
  • Open-Access-Förderprogramme und -instrumente

Öffentlichkeits­arbeit und Bewussts­einsbildung

Die Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung, die Förderorganisationen zur Unterstützung von Open Access verfolgen, sind vielfältig und reichen von entsprechend gestalteten Seitenbereichen im Webauftritt der jeweiligen Förderorganisation über Broschüren und anderes Informationsmaterial bis zur Durchführung von Untersuchungen zum Kenntnisstand über Open Access bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Auch konkrete Aufklärungsarbeit für Open Access gehört zum Aufgabenprofil (die DFG hat auch die Informationsplattform open-access.net gefördert). Andere Beispiele bilden etwa die Briefing Papers von JISC (Open Access), die Broschüre A Guide to Open Access des Wellcome Trust, die DFG-Studie Publikationsstrategien im Wandel oder auch die Informationen zu Open Access auf dem EU-geförderten Portal OpenAIRE.

Die wichtigste Maßnahme ist jedoch, die eigene Open-Access-Policy und die mit ihr verbundenen Fördermaßnahmen und -schwerpunkte klar zu kommunizieren und transparent zu machen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tendieren dazu, die Verbreitung ihrer Forschungsergebnisse in bewährten konventionellen Publikationsformen dem Erproben neuer Verbreitungswege vorzuziehen. Dies gilt besonders, wenn sie die Haltung einer Förderorganisation zum Thema Open Access nicht kennen und davon ausgehen, dass elektronische Publikationen z.B. in Förderanträgen nicht das gewünschte Maß an Anerkennung finden. Einige, vor allem geisteswissenschaftliche Autorinnen und Autoren haben darüber hinaus Vorbehalte gegenüber Open Access, und es gilt, ihre Befürchtungen aufzunehmen und Vorurteile zu entkräften.

Publikationskosten für Open Access

Das aus Sicht wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren sicherlich wichtigste Instrument der Unterstützung von Open Access durch Förderorganisationen ist die finanzielle Förderung des Open-Access-Publizierens. Im Zusammenhang mit ihrer Open-Access-Policy legen Förderorganisationen in der Regel fest, in welchem Rahmen und unter welchen Vergabekriterien und -modalitäten Autorengebühren übernommen werden.

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Formen einer Übernahme von Open-Access-Publikationsgebühren in der Praxis von Förderorganisationen etabliert. Immer stärker werden die Verpflichtung zu Open Access und die Bereitstellung von Mitteln für Open-Access-Veröffentlichungen gekoppelt. Entsprechende Finanzierungsangebote gibt es beispielsweise vom britischen RCUK (vgl. die Open Access Policy), oder vom österreichischen FWF. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert in ihrem Programm "Open Access Publizieren" die Schaffung lokaler Publikationsfonds an deutschen Hochschulen (vgl. Geschäftsmodelle).

Förderorganisationen übernehmen auch Publikationskosten direkt - entweder nachträglich auf gesonderten Antrag (z.B. beim FWF) oder als Teilsumme der für das Projekt beantragten Gesamtmittel (z.B. bei der DFG und bei der Europäischen Kommission).

Open-Access-Förderprogramme und -instrumente

Die DFG hat im Bereich Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssytem (LIS) innerhalb des Förderprogramms "Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale Wissenschaftskommunikation"  Möglichkeiten zur Förderung von Projekten im Bereich Open Access. In der Vergangenheit wurden Open-Access-Zeitschriften, Repositorien, die Entwicklung von Geschäftsmodellen für elektronisches Publizieren (z.B. für Open-Access-Monografien) und nicht zuletzt die Informationsplattform open-access.net sowie die deutschsprachige Informationsplattform Open Journal Systems gefördert. Das BMBF strebt an, Open Access zum Standard wissenschaftlichen Publizierens zu machen und fördert in diesem Rahmen 20 innovative Projekte im Bereich Open Access.

Die Europäische Kommission unterstützt und fördert Open Access in hohem Maße und fördert mehrere Projekte im Kontext von Open Access und Open Science. Seit 2009 wird im Rahmen des OpenAIRE Projekts bzw. der drei Folgeprojekte OpenAIREplus, OpenAIRE2020 und OpenAIREAdvance die Umsetzung von Open Access europaweit gefördert und eine technische Infrastruktur und ein europaweiter Informationsdienst bereitgestellt, der Forschende und Institutionen bei der Umsetzung von Open Access berät und unterstützt. Im Rahmen des EOSC-Projekts wird die European Science Cloud entwickelt. Das HIRMEOS-Projekt zielt darauf ab, aufbauend auf der bestehenden Open Science-Infrastruktur Prototypen von innovativen Dienstleistungen für Monographien zu entwickeln. Weitere geförderte Projekte sind PASTEUR4OA mit dem Ziel, europaweit zu einer Harmonisierung von Open-Access-Policies, orientiert an der Open-Access-Policy innerhalb von Horizon2020, beizutragen sowie das FOSTER-Projekt bzw. das Folgeprojekt FOSTER Plus, deren vorrangiges Ziel ein europaweites Trainingsprogramm ist, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Bibliothekaren und anderen Beteiligten zu helfen, Open-Science-Ansätze in ihren Wirkungsräumen umzusetzen.

Bindung der Förderung an Open Access

Von der Möglichkeit, Förderungsempfängerinnen und -empfänger dazu zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verfügung zu stellen, machen zum Beispiel die EU und die zur cOAlition S zusammengeschlossenen Förderer Gebrauch.

Der stärkste Impuls geht aktuell von der Europäischen Kommission aus, die sich nachdrücklich zu Open Access und Open Science bekennt und im Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 (2014-2020) Open Access für alle Geförderten zur Pflicht gemacht hat. Dies betrifft viele große Forschungsprojekte, das aktuelle Rahmenprogramm Horizon 2020 hat ein Gesamtvolumen von etwa 80 Milliarden Euro.

17 nationale und internationale Forschungsförderer sowie die Europäische Kommission und der Europäische Forschungsrat haben sich zur cOAlition S zusammengeschlossen und verfolgen mit dem Plan S die Strategie, den offenen Zugang zu öffentlich geförderten wissenschaftlichen Publikationen sicher zu stellen. Mitglieder der cOAlition S sind zum Beispiel der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), die französische Agence nationale de la recherche (ANR), der Research Council of Norway (RCN), der Wellcome Trust und die Bill & Melinda Gates Foundation. Öffentliche Unterstützung haben unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizer Nationalfonds (SNF) verkündet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft äußert die Erwartung, dass sich geförderte Wissenschaftler/innen um eine Open-Access-Veröffentlichung bemühen. Im Regelfall ergeht jedoch bisher keine Open-Access-Verpflichtung durch die DFG.

In der Schweiz verpflichtet der Schweizerische Nationalfonds die Beitragsemfängerinnen und -empfänger zu Open Access und stellt Finanzierungsmöglichkeiten bereit. Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften hat Empfehlungen zu Open Access formuliert.

In Österreich verpflichtet der Wissenschaftsfonds (FWF) ebenfalls zur Open-Access-Publikation auf dem grünen oder goldenen Weg (in diesem Fall auch zur Vergabe einer CC-BY-Lizenz) (vgl. die Open-Access-Policy des FWF).

Britische und US-amerikanische Förderorganisationen binden die Vergabe von Fördermitteln an eine Open-Access-Publikation der aus geförderten Projekten hervorgehenden Forschungsergebnisse, so etwa der Wellcome Trust und die National Institutes of Health.

Die meisten öffentlichen Förderorganisationen erwarten goldene Open-Access-Veröffentlichungen oder die Bereitstellung über den grünen Weg, wobei die jeweiligen Embargofristen einzuhalten sind. Die EU verlangt zum Beispiel darüber hinaus, dass auch goldene Open-Access-Veröffentlichungen zusätzlich noch in einem Repositorium eingestellt werden. Nicht immer verlangen Fördergeber die Verwendung freier Lizenzen; der Plan S sieht dies allerdings vor. Grundsätzlich können Förderorganisationen starken Einfluss nehmen über die Pflicht zur sofortigen Archivierung in einem Repositorium (mit Eingabe der Embargodauer im Repositorium) und über eine Höchstgrenze für Embargos. Auch die Verpflichtung, unabhängig von der gewählten Open-Access-Zeitschrift oder dem gewählten Repositorium eine zusätzliche Kopie in einem durch die Förderorganisation benannten Repositorium zu veröffentlichen, gehört zum Spektrum der Möglichkeiten.