EU

Die Europäische Union unterstützt das Thema Open Access umfassend und gibt das Ziel aus, Open Access sowohl auf europäischer Ebene und auf der Ebene der Mitgliedstaaten voranzutreiben. Bereits 2007 verfasste sie ein entsprechendes Grundsatzpapier. Genauso nimmt der European Research Council (ERC) Stellung pro Open Access. Förderempfänger/innen  deren Publikationen  aus von der EU im Rahmen von Horizon 2020 geförderten Projekten resultieren, sind verpflichtet, diese  Open Access zur Verfügung zu stellen. Diese Regelung greift nur, sofern die Förderempfänger/innen sich für eine Publikation ihrer Ergebnisse entscheiden und diese ein Peer-Review umfasst. Artikel 29 Abs. 2 der Grant Agreements führt aus, dass eine maschinenlesbare elektronische Kopie der publizierten Fassung oder der finalen, referierten Manuskriptfassung in ein Repositorium eingestellt werden muss. Dies muss entweder, sofern eine kostenlose Version verfügbar ist, mit Veröffentlichung, oder andernfalls 6 Monate (bzw. 12 Monate in den Geistes- und Sozialwissenschaften) nach der Veröffentlichung erfolgen. Weiterhin müssen Metadaten wie zum Beispiel die Fördernummer hinterlegt werden. Die Kosten, die in diesem Zusammenhang während der Projektlaufzeit entstehen und den allgemeinen Kriterien entsprechen, sind erstattungsfähig. 

cOAlition S

17 nationale und internationale Forschungsförderer sowie die Europäische Kommission und der Europäische Forschungsrat haben sich zur cOAlition S zusammengeschlossen und verfolgen mit dem Plan S die Strategie, den offenen Zugang zu öffentlich geförderten wissenschaftlichen Publikationen sicher zu stellen: “With effect from 2021, all scholarly publications on the results from research funded by public or private grants provided by national, regional and international research councils and funding bodies, must be published in Open Access Journals, on Open Access Platforms, or made immediately available through Open Access Repositories without embargo.” Ergänzend umfasst Plan S 10 Prinzipien sowie konkrete Umsetzungsrichtlinien. Mitglieder der cOAlition S sind zum Beispiel der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), die französische Agence nationale de la recherche (ANR) oder der Research Council of Norway (RCN). Öffentliche Unterstützung hat unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizer Nationalfonds (SNF) bekundet.

BMBF

Die Open-Access-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist verankert in einer umfassenden Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft. So möchte die Bundesregierung „Rahmenbedingungen schaffen, die die Entstehung von Wissen und seinen Austausch fördern“. Mit der Anpassung des Urheberrechtsgesetzes und insbesondere mit der Einführung des unabdingbaren Zweitverwertungsrechtes, gemäß welchem Autor/innen ihre Veröffentlichung, die aus mindestens zur Hälfte öffentlich geförderten Projekten resultiert, unabhängig von den Regelungen im Verlagsvertrag der Allgemeinheit zu nicht-gewerblichen Zwecken zugänglich machen können, hat sie den gesetzlichen Rahmen geschaffen, um den grünen Weg zu stärken. Weiterhin ermuntert sie unter anderem die Länder dabei, Open Access zu unterstützen, und hat das Thema Open Access bei der Fortschreibung des Paktes für Forschung und Innovation 2016 – 2020 bindend verankert. Insbesondere das Bundesforschungsministerium unterstützt „die Wissenschaft auf ihrem Weg zu einer umfassenden Open Access-Kultur“ und hat in diesem Rahmen im September 2016 eine Open-Access-Strategie veröffentlicht, die den Leitprinzipien folgt, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens zu etablieren, wobei verschiedene Ansätze zur Umsetzung von Open Access als möglich erachtet werden. Die Teilhabe an wissenschaftlichen Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung soll gestärkt werden, während gleichzeitig die hohe Qualität wissenschaftlicher Publikationen gewahrt bleiben und die Wissenschaftsfreiheit nicht eingeschränkt werden soll. Um bestehende und eigene Open-Access-Initiativen weiter zu stärken, unterstützt das BMBF Maßnahmen, die Vorbilder aufzeigen, Anreize setzen, neue Kommunikationsräume schaffen und praktische Unterstützung anbieten. Konkret verankert das BMBF Open Access als Grundprinzip in der Förderung, beschreitet neue Wege in der Publikationsfinanzierung, möchte die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Open Access erhöhen und Open Access einfach und praktikabel gestalten und sichtbar und messbar mittels eines Open-Access-Monitors machen. Derzeit fördert das BMBF 20 innovative Projekte im Bereich Open Access.

Allianz-Initiative „Digitale Information“

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, als Verbund von Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der DFG, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz Gemeinschaft, der HRK, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und des Wissenschaftsrates, hat die Allianz-Initiative „Digitale Information“ gegründet, um in verschiedenen Handlungsfeldern das Ziel zu verfolgen, Wissenschaftler/innen mit der bestmöglichen Informationsinfrastruktur auszustatten, zu diesen zählt unter anderem die Gestaltung des Handlungsfeldes „Wissenschaftliches Publikationssystem“. Ein wichtiger Aspekt im Zeitraum 2018 bis 2020 ist hierbei die verstärkte Verbindung von Open Access und Lizenzierung. Zentrales Ergebnis des von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen in Auftrag gegebenen DEAL-Projektes ist der Abschluss eines bundesweiten Lizenzvertrages mit Wiley, der allen Einrichtungen, die bisher einen Subskriptionsvertrag mit Wiley hatten, einen lesenden Zugriff auf das gesamte Zeitschriftenportfolio bietet, sowie die Berechtigung für das hybride Open-Access-Publizieren ab dem 1. Juli 2019 einräumt.  Die meisten der genannten Allianz-Partnerorganisationen verfügen zudem zusätzlich über eigene Positionierungen und Leitlinien zu Open Access, so u.a. die Helmholtz Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Leibniz-Gemeinschaft.

DFG

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Thema Open Access. Bereits 2006 beschloss ihr Hauptausschuss Leitlinien für die Verfügbarmachung von Ergebnissen aus DFG-geförderten Projekten im Open Access. Die im Rahmen der Einzelförderung bzw. Koordinierter Programme eingeworbene Publikationspauschale kann genutzt werden, um die bei der Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften ggf. erforderlichen Artikelbearbeitungsgebühren zu bestreiten. Weiterhin unterstützt die DFG das Thema Open Access im internationalen Kontext, zum Beispiel in Netzwerken wie Knowledge Exchange und Science Europe. Die DFG hat ihre öffentliche Unterstützung für den Plan S kundgetan, demzufolge wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung resultieren, Open Access zur Verfügung stehen sollen. Mit dem Förderprogramm Open Access Publizieren fördert die DFG Hochschulen bei der Einrichtung von Publikationsfonds, über die an der Einrichtung anfallende Publikationsgebühren bei Open-Access-Zeitschriften übernommen werden können.

Heidelberger Appell

Eine Besonderheit in der deutschen Open-Access-Diskussion stellte der sogenannte Heidelberger Appell dar: Mit ihm mobilisierte der Literaturwissenschaftler Roland Reuß im Jahr 2009 Widerstand gegen die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke durch Google Books und gegen Open Access. Der Appell hatte die Form einer Unterschriftenaktion und wurde von zahlreichen Wissenschaftler/innen und Verleger/innen sowie nicht-wissenschaftlichen Autor/innen unterzeichnet. Der Heidelberger Appell war seinerseits Ziel intensiver Kritik durch zahlreiche Autor/innen und Wissenschaftler/innen, etwa durch das Aktionsbündnis "eUrheberrecht für Bildung und Wissenschaft". So wurde ihm vorgeworfen, voneinander unabhängige Themen, die Digitalisierung durch Google und Open Access, zu vermischen. Zum anderen postulierte der Appell zu Unrecht einen Zwang, wissenschaftliche Dokumente im Open Access zu veröffentlichen. Kritiker/innen sahen im Appell eine Kampagne der Verlagswirtschaft zur Propagierung eines wirtschaftsfreundlichen, aber wissenschaftsfeindlichen Urheberrechts.

Schweiz

Der Schweizerische Nationalfonds verlangt in der Weisung vom 17.07.2008 Open Access für alle Publikationen der Beitragsempfänger. In der grundsätzlich verpflichtenden Open Access Policy sind Sperrfristen von bis zu 6 Monaten für die Hinterlegung von Zeitschriftenartikeln in Repositorien sowie Ausnahmen möglich. Artikel in reinen Gold Open Access-Journals werden mit bis zu CHF 3'000 aus Projektmitteln unterstützt. Die Policy wurde im Juli 2014 auf Buchpublikationen ausgeweitet. Analog zur Finanzierung von Zeitschriftenartikeln, werden nun auch Buchpublikationen unterstützt, die digital und in Open Access erscheinen. Hierfür gilt, dass diese nach einer maximalen Sperrfrist von 24 Monaten frei zugänglich sein müssen. Ausnahmen sind nur bei unüberwindbaren rechtlichen und/oder technischen Hindernissen möglich. Unabhängig von SNF-Forschungsprojekten  werden Pauschalbeträge vergeben, mit denen die Herstellungskosten für eine digitale Buchpublikation (inkl. Qualifikationsschriften) subsidiär unterstützt werden.
Auch die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften hat im Januar 2008 Empfehlungen an ihre Mitgliedsgesellschaften für die Umsetzung von Open Access veröffentlicht und fördert aktiv die Entwicklung der Digital Humanities sowie die Umstellung der Zeitschriften ihrer Tochtergesellschaften auf  Open Access. Als weiteres Mitglied der Akademien der Wissenschaften Schweiz hat die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) im Jahr 2014 ein Positionspapier zu Open Access veröffentlicht. Nebst nationalen Organisationen haben die meisten Schweizer Universitäten die Berliner Erklärung unterzeichnet. Einige Universitäten haben Open Access-Policies formuliert, in denen die Forschenden der Hochschule grundsätzlich zu Open Access zu ihren Publikationen verpflichtet werden.

Österreich

In Österreich unterstützt und propagiert der österreichische Wissenschaftsfonds FWF den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten im Internet und verpflichtet geförderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Open Access zu publizieren. Unter dem organisatorischen Dach von FWF und UNIKO wurde 2012 das Open Access Netzwerk Austria (OANA) eingerichtet. Durch die Erweiterung der thematischen Ausrichtung von OANA wurde 2018 beschlossen, das Open Access Network Austria in Open Science Network Austria umzubenennen. Das Akronym OANA bleibt jedoch weiterhin bestehen. OANA ist ein Thinktank zum Thema Open Science, mit einer offenen Struktur und ohne Rechtsform und sieht als seine Kernaufgaben den Austausch von Ideen, die Koordination und Vernetzung von Initiativen und Erarbeitung von Empfehlungen zu Open Science in Österreich. Informationen zu weiteren nationale Aktivitäten in Österreich finden Sie hier.

USA

In den USA wird teils recht kontrovers über die Verankerung von Pflichten zur Open-Access-Publikation von geförderten Inhalten debattiert: So wurde Ende 2011 mit dem Research Works Act RWA vergeblich der Versuch unternommen, Open-Access-Mandaten in den USA ein Ende zu bereiten. Nahezu zeitgleich existierte mit dem Federal Research Public Access Act FRPAA eine geradezu gegenläufige Gesetzesinitiative, der zufolge Publikationen aus öffentlich geförderten Projekten spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung frei zugänglich gemacht werden sollten. Ähnliche Ziele verfolgt die aktuelle Gesetzesinitiative Fair Access to Science and Technology Research Act FASTR, allerdings wären von FASTR nur Einrichtungen betroffen, die mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Jahr für Forschung aufwenden.

SPARC + OASPA

Ein weiteres, die Open-Access-Bewegung unterstützendes Projekt ist z.B. die Scholarly Publishing & Academic Resources Coalition (SPARC), eine Allianz von Universitäts- und Forschungsbibliotheken, die kostengünstige Alternativen zu den herkömmlichen Publikationsstrategien fördert und entwickelt. Die Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA) hingegen agiert als Interessensverband von Open-Access-Verlagen mit dem Ziel der Verbreitung und Entwicklung des goldenen Open Access für Buch- und Zeitschriftenpublikationen.

Darüber hinaus bekennen sich immer mehr Hochschulen zum Open-Access-Gedanken und ermöglichen auf ihren Repositorien die entgeltfreie Archivierung sowie den freien Zugriff auf wissenschaftliche Dokumente. Zunehmend entwickelt sich ein Standardset an Maßnahmen, die von Hochschulen und anderen Einrichtungen in diesem Bereich erwartet werden. Als Blaupause solcher Maßnahmensets kann die Informationsbroschüre "Open-Access-Strategien für wissenschaftlichen Einrichtungen - Bausteine und Beispiele" der Arbeitsgruppe Open Access der Schwerpunktinitiative "Digitale Information" der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen gelten. Diese beschreibt detailliert und teils anhand von konkreten Umsetzungsbeispielen Maßnahmen zum Aufbau und Betrieb eines Repositoriums oder Open-Access-Verlags, Schritte zur Schaffung von Publikationsfonds mittels derer Publikationsgebühren in Open-Access-Journalen bestritten werden können sowie weitere Aktivitäten zur Verankerung von Open Access an wissenschaftlichen Einrichtungen.  

In dem Verzeichnis Registry of Open Access Repository Material Archiving Policies (ROARMAP) findet sich eine Übersicht über institutionelle Selbstverpflichtungen und Policies zu Open Access.

Eine Übersicht zu Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern ist im Informationsangebot SHERPA/JULIET der University of Nottingham zu finden.