Open Access in den Geo­wissenschaften

Geowissenschaften gehören zu den Fächern, in denen Open Access bereits weit verbreitet ist (Severin et al., 2020, Bertelmann, 2017).

 

Open-Access-Zeitschriften

Im Directory of Open Access Journals (DOAJ) werden mehr als 100 Open-Access-Zeitschriften im Bereich ‚Geology‘ geführt. Die im DOAJ gelisteten Zeitschriften müssen einigen Qualitätsansprüchen genügen. Sie müssen z.B. über ein editorial oder peer review verfügen sowie klare Informationen zu Lizenzen, zum editorial board und zu den Kosten liefern. 
Zeitschriften, die über die grundlegenden Kriterien hinaus weitere Bedingungen wie z. B. die Nutzung von DOIs erfüllen, können mit dem DOAJ Seal of Approval for Open Access Journals ausgezeichnet werden. 

Die European Geosciences Union (EGU) kooperiert eng mit dem in Göttingen ansässigen Open-Access-Verlag Copernicus Publications. Copernicus Publications ist weltweit einer der renommiertesten Open-Access-Verlage, dort erscheinen ausschließlich Zeitschriften im Open-Access-Geschäftsmodell. Das Spektrum der fast 50 Zeitschriften deckt inzwischen weite Gebiete der Geowissenschaften ab. Für einen Teil der Zeitschriften ist ein offenes Review-System etabliert worden (vgl. hier).

Mehr als 40 Titel geowissenschaftlicher Open-Access-Zeitschriften erscheinen im Open-Access-Verlag MDPI (im Bereich ‚Environmental & Earth Sciences‘. Die American Geophysical Union AGU publiziert 6 Open-Access-Zeitschriften, Springer führt im Verlagszweig SpringerOpen ebenfalls eine Reihe von geowissenschaftlichen Titeln.

Neben Neugründungen haben inzwischen einige Zeitschriften das Publikationsmodell von Subskription hin zur vollen Open-Access-Zeitschrift umgestellt. Dazu gehören die traditionsreiche deutsche Zeitschrift Die Erde, die Meteorologische Zeitschrift (1884 ff.) sowie das European Journal of Mineralogy.

Disziplinäre Repositorien

Einige disziplinspezifische Sammlungen:

  • Agris: vorwiegend für Agricultural Sciences
  • Aquatic Commons, ein Angebot der International Association of Aquatic and Marine Science Libraries and Information Centers
  • Das Fachrepositorium GEO-LEOe-docs des Fachinformationsdienstes für die Geowissenschaften (FID GEO)
  • NASA Technical Reports: Sammlung von Forschungsergebnissen der Luft- und Raumfahrt
  • OceanDocs: Dokumentenserver der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC)

Die Repositorien von einschlägigen Forschungsinstitutionen bieten sich besonders für eine direkte Suche an:

  • Earthprints, Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia
  • EPIC, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtzzentrum für Polar- und Meeresforschung.
  • GFZpublic, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Helmholtzzentrum Potsdam
  • Oceanrep, GEOMAR, Helmholtzzentrum für Ozeanforschung
  • PaleorXiv sammelt Preprints aus der Paläontologie

Die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) bietet unter dem Menüpunkt ‚Browse‘ eine Such-Einschränkung anhand der Dewey-Dezimalklassifikation an. Über die Anzeige der Quelle der gefundenen Titel ergibt sich ein recht vollständiger Blick auf geowissenschaftlich orientierte Repositorien.

Recherchieren

Mit BASE, dem Bielefeld Academic Search Engine, findet man z. B. über den Menüpunkt ‚Browse‘ und die Einschränkung nach der Dewey-Dezimal-Klassifikation (DDC) ‚Naturwissenschaften und Mathematik‘ und nachfolgend ‚Geowissenschaften/Geologie‘ zur Zeit ca. 350.000 Titel.

Das Discoverysystem ALBERT erschließt für die Suche auf Artikelebene u. a. auch die einschlägigen Open-Access-Zeitschriften und eine Reihe relevanter Repositorien. Dies schließt auch publizierte Forschungsdaten ein.

Die in Open-Access-Zeitschriften erschienenen Artikel sind auch über die gängigen fachspezifischen bibliografischen Datenbanken und in naturwissenschaftsübergreifenden Angeboten recherchierbar (GeoRef, Science Citation Index, Scopus u. a.).

Akteure

Viele geowissenschaftliche deutsche Fachgesellschaften sind aufgeschlossen gegenüber Open Access, empfehlen ihren Mitgliedern Open Access zu publizieren und prüfen, ihre Publikationsorgane auf Open Access umzustellen, sofern es noch nicht geschehen ist. International ist die AGU ein wichtiger Akteur, der u. a. Open-Access-Zeitschriften herausgibt und bei seinen traditionellen (= Closed-Access) Zeitschriften das Zweitveröffentlichungsrecht für Autor*innen gestärkt hat.

Der Fachinformationsdienst Geowissenschaften (FID GEO) unterstützt die geowissenschaftliche deutsche Fachgesellschaften bei der Umsetzung von Open Access. Darüber hinaus unterstützt der FID GEO geowissenschaftliche Institutionen und Wissenschaftler*innen in Deutschland mit weitreichenden Informationsangeboten sowie Workshops zu Open Access. Der FID GEO betreibt das Fachrepositorium GEO-LEOe-docs und bietet Digitalisierungen von Texten und geologischen Karten an.

Open Science

Die Geowissenschaften sind ein typisches Wissenschaftsgebiet in dem Open Science „avant la lettre“ ein wichtiges Thema war. Entsprechend wird in Zukunft der Blick auf ‚offene Wissenschaft‘ hier weiter bestimmend bleiben.

Der Umgang mit Forschungsdaten ist schon seit dem Internationalen Geophysikalischen Jahr (1957/58) ein bestimmendes Thema. Und es ist kein Zufall, dass die ersten Zeitschriftengründungen, in denen ausschließlich Aufsätze zu Forschungsdaten erscheinen (Earth System Science Data (ESSD) oder das Geoscience Data Journal), im geowissenschaftlichen Feld verankert sind. Das ‚Registry of Research Data Repositories‘ re3data.org bietet eine gute Möglichkeit sich über die Plattformen zu informieren, auf denen weltweit Forschungsdaten gehalten und zur Verfügung gestellt werden.

Die deutsche geowissenschaftliche Community organisiert sich in Bezug auf Forschungsdaten in der NFDI4Earth, um gemeinsame und international anschlussfähige Prinzipien, Regeln und Standards für das Forschungsdatenmanagement in der Erdsystemwissenschaft zu etablieren, experimentelle Prototyp-Plattformen zu schaffen und Werkzeuge und Mechanismen für die Datenintegration und -analyse bereitzustellen.

Weitere Beiträge zu einer offenen Wissenschaft sind die International Geo Sample Number (IGSN) für referenzierbare Proben (z. B. Gesteinsproben) oder offene Peer-review-Verfahren, wie sie z. B. in den Zeitschriften des Verlags Copernicus Publications seit über 10 Jahren durchgeführt werden. Geowissenschaften sind software-intensive Wissenschaften, dabei rückt der Umgang mit Software, also die Publikation und Referenzierbarkeit derselben, immer stärker in den Fokus.

Bearbeitung dieser Seite: Andreas Hübner, Fachinformationsdienst Geowissenschaften FID GEO (letzte Überarbeitung: April 2020)